Wir brauchen eine offene Sync-Infrastruktur!

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tl;dr: Einen Ansatz gibt es – bauen wir RFC 6578 in mod_dav ein!

Nach einem deutlichen Artikel auf the Verge hat sich in den letzten Wochen auch auf breiterer Front die Erkenntnis duchgesetzt, dass die iCloud ihr Versprechen vom magischen Sync definitiv nicht eingelöst hat.

Andererseits zeigte die einigermassen unerwartete Abkündigung von Google Reader, wie schnell eine “Infrastruktur” wegbrechen kann, wenn es sich eben nicht wirklich um Infrastruktur, sondern nur um ein Projektchen einer Firma wie Google handelt, die, aus was für Gründen auch immer, dessen überdrüssig wurde.

Das Gute an diesen Ereignissen ist – es wird klarer: wir brauchen eine Infrastruktur für Sync. Basierend auf Standards, mit offener Implementation, und nicht abhängig von einem bestimmten Provider.

Sync lässt sich grob in zwei Aufgaben unterteilen:

  • Eine effiziente Verteilung (insbesondere was Datentransfer anbelangt) der produzierten Daten an alle Teilnehmer
  • Das konsistente Zusammenführen der Daten von verschiedenen Beteiligten zu “einer Wahrheit”

Wie schwierig die zweite Aufgabe ist,kommt nur darauf an, was man will. Apple wollte nichts weniger als die Königslösung und nahm sich vor, komplexe Objektgraphen (CoreData) generisch zu synchronisieren. Das haben sie vorerst nicht mit einer brauchbaren Stabilität geschafft.

Will man aber “nur” einen Haufen Files überall im Zugriff, wie Dropbox, dann ist die zweite Aufgabe fast trivial, und alles viel einfacher. Der reine File-Sync funktioniert ja scheinbar sogar in der iCloud ganz gut.

Für die meisten Apps liegt der Aufwand für die Ermittlung einer in ihrem Kontext ausreichend konsistenten “Wahrheit” irgendwo dazwischen. Es wäre schön, wenn es da mit der Zeit bequeme Frameworks für diesen oder jenen Anwendungsfall gäbe, aber zu einer generischen Sync-Infrastruktur gehört dieser Teil nicht.

Der erste Aufgabe hingegen ist von der Sync-Infrastruktur zu erfüllen, die man von ganz klein auf dem eigenen Server installiert bis hin zu ganz gross skaliert bei einem Cloud-Anbieter betreiben können möchte. Genauso simpel, zuverlässing und austauschbar wie ein Webserver.

Es braucht dazu nicht nur einen Server, denn als App-Enwickler möchte man nicht die Files irgendwo abholen müssen, nicht Verzeichnisbäume nach Änderungen durchscannen. Sondern lokal ein Abbild der Daten haben, und benachrichtigt werden, wenn sich etwas ändert (analog dazu, wie kaum jemand direkt TCP-Sockets aufmachen will, um HTTP zu sprechen). Dazu braucht es ein passendes Client-Framework.

Dropbox nutzt jetzt die Gunst der Stunde, genau so ein Framework mit seinem neuen Sync-SDK anzubieten. Aber eine Standard-basierte offene Infrastruktur ist das nicht.

Offen und standardisiert hingegen ist WebDAV (RFC 4918). Und in der Tat nutzen es einige App-Entwickler bereits für ihren Sync-Bedarf. WebDAV hat aber ein Problem im Zusammenhang mit Sync – es ist bei einer grösseren Anzahl von Objekten (Files) nicht effizient, Änderungen zu finden.

Es sei denn, man hätte eine Implementation von RFC 6578: “Collection Synchronization for Web Distributed Authoring and Versioning (WebDAV)”.

Wer hat eine? Apple. Warum? Weil sie das in der iCloud brauchen. Das ist vielleicht momentan nicht gerade die beste Werbung. Aber wer sich in Apple-Technologien ein bisschen auskennt, weiss, dass Apple genau dieses Muster viele Male sehr erfolgreich angewendet hat: solide Standards nehmen, offen weiterentwickeln, und dann als Basis für proprietäre “Magic” benutzen (z.B. HTTP Live Streaming, Bonjour/multicast DNS, CalDAV). Ich bin überzeugt, dass WebDAV Collection Sync nicht das Problem in der iCloud ist.

Mein Fazit:

Wir (damit meine ich die Indie-Dev Community) sollten Kräfte bündeln, RFC 6578 einerseits in mod_dav implementiert zu bekommen und so in nützlicher Frist auf jeden Apache-Webserver dieses Planeten auszurollen. Und am anderen Ende Sync-Frameworks zu bauen, die genau dasselbe bieten wie die neue Dropbox Sync-API, aber mit WebDAV als Backend.

Damit nicht nur wir Entwickler, sondern auch die Anwender unserer Apps wieder wählen können, bei wem die Daten liegen sollen.

Ist die Zeit endlich reif dafür?

09. April 2013 by luz
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